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Turm und f+h-Bauer gegen Turm - einmal ein Held sein

Davon träumt wohl so ziemlich jeder Schachspieler: Ihr spielt die letzte Partie im entscheidenden Mannschaftskampf um den Aufstieg. Dein Team muss unbedingt gewinnen und es schaut auch nicht schlecht aus: Der aktuelle Spielstand ist 4:3 für Deine Mannschaft. Trotzdem schauen Deine Mannschaftskameraden nicht gerade zuversichtlich drein: Du spielst gegen den stärksten Spieler des gegnerischen Teams und hast 2 Minusbauern im Turmendspiel. Immerhin: Dein Gegner hat nur noch f- und h-Bauern und die Stellung ist *theoretisch* remis - aber nur die allergrößten Optimisten glauben ernsthaft daran, dass Du dieses vermeintlich komplizierte Endspiel halten kannst. Doch so sehr Dein Gegner es auch versucht, Deine Festung hält - weil Du nämlich immer ein fleißiger Leser des Sontheimer Schachblogs gewesen bist. Am Ende hebt Dein Gegner stumm den Kopf, blickt Dich mit wassergefüllten Augen an und röchelt: "Remis!". Danach gibt es kein Halten mehr und noch in 50 Jahren werden die vereinseigenen Minnesänger von Deinem heldenhaften Kampf gegen die gegnerische Übermacht frohlocken... .

Äh..wo war ich? Sorry, es hat mich ein wenig mitgerissen. Nun denn, auch wenn ich Dir ein solches Erlebnis nicht garantieren kann (Du könntest beispielsweise auch den Remisweg vergessen, gleich im 3. Zug einen Turm einstellen und kurz darauf das Schreiben mit dem Vereinsausschluss in den Händen halten), so kann ich zuindest versuchen, dieses scheinbar schwierige Endspiel ein wenig zu durchleuchten. Sooo schwierig ist es nämlich gar nicht; es genügt, ein paar relativ einfache Prinzipien zu verstehen bzw. Remis- und Verluststellungen zu kennen:

 

Turm und Springer gegen Turm: Kurzbeinigkeit in Perfektion


Beim Kandidatenfinale zwischen Kortschnoi und Hübner (Meran 1980) kam es in der 6. Partie zu dem Endspiel Turm + Springer gegen Turm, das Kortschnoi noch gut 40 Züge lang zu gewinnen versuchte, doch Dr. Hübner hielt ohne große Anstrengungen remis. Nach dem Match zu der Partie befragt, meinte Kortschnoi nur trocken: "Ja, ich habe mir schon die ganze Partie über gewünscht, einen Läufer an Stelle des Springers zu haben...". In der Tat ist dieses Endspiel mit dem lahmen Springtier kaum zu gewinnen, es sei denn, es gelingt der stärkeren Partei, den gegnerischen König in die Nähe der Ecke zu treiben.

 

Turm und Läufer gegen Turm: Perfekte Harmonie


Vor gut 20 Jahren spielte ich einmal bei einem Schnellturnier in Leonberg gegen IM Jürgen Teufel. Soweit ich mich erinnern kann, geriet ich frühzeitig in eine schwierige Stellung, doch als es mir gelang, unter Materialopfer ein Endspiel Turm + Läufer gegen Turm ohne Bauern auf beiden Seiten zu erreichen, hatte ich den halben Punkt bereits als gesichert abgehakt. Doch zu meiner nicht geringen Verwunderung spielte mein Gegner unbeirrt weiter und als mein König immer näher an den Brettrand gedrängt wurde dämmerte mir allmählich, dass hier nicht nur der Teufel auf der anderen Seite des Brettes saß, sondern auch noch im Detail steckte. Natürlich verlor ich das Endspiel sang- und klanglos, doch immerhin bin ich in guter Gesellschaft: Selbst gestandene Großmeister haben es schon nicht geschafft, diese Verteidigungsübung zu meistern.

Wie man am Einfachsten Remis hält, bespreche ich an anderer Stelle in Kürze wieder hier im Schachblog, heute wollen wir uns einmal anschauen, wie eine typische Gewinnstellung aussieht und wie die stärkere Partei den Gewinn letztlich realisiert.

 

Letzte Runde in Bad Schwarzach

Zu einem guten Abschluss kam die heutige letzte Runde beim Open in Bad Schwarzach für die Sontheimer Spieler. Im A-Turnier kamen alle SKS'ler auf mindestens 50%, im B-Turnier konnte sich Kevin mit einem Schlussrundensieg auch nochmal kräftig nach vorne schieben und im C-Turnier wies die Familie Romes mi 2,5 aus 3 die Gegner auch nochmal kräftig in die Schranken. Bin schon gespannt auf den nächsten Spielabend und die Berichte der Teilnehmer; vielleicht kann ich ja noch die eine oder andere Partie nachreichen (die Teilnehmer können mir gerne auch Material per E-Mail schicken!)

Tagesergebnis: SKS - Rest der Welt 6,5:3,5

A-Turnier:

Frank Hoffmeister (2185) - Thorsten Kaufmann (4.5) ½:½
Sören Pürckhauer (3.5) - Helmut Usleber (2014) 1:0
Theo Hartmann (3.5) - Manuel Holzer (1778) 1:0
Thomas Niedermeier (2093) - Dieter Frühsorger (4.0) ½:½

Die Platzierungen der Sontheimer:
Thorsten Kaufmann: 37. mit 5 aus 9
Sören Pürckhauer: 39. mit 4,5 aus 9
Theo Hartmann: 41. mit 4,5 aus 9
Dieter Frühsorger: 50. mit 4,5 aus 9

B-Turnier:
Kevin Walter (3.0) - Stefan Ranner (1676) 1:0

Die Platzierungen der Sontheimer:
Kevin Walter: 37. mit 4,0 aus 9


C-Turnier:
Haymo Jakob (1200) - Paul Romes (3.0) 0:1
Max Romes (5.0) - Miran Gibicar (1423) ½:½
Patric Romes (4.0) - Klaus Erler (1481) 1:0
Daniel Walter (3.5) - Wilhelm Schmall (1429) 0:1
Jonathan Hartmann (1.0) - Marion Eichinger (1200) 0:1

Die Platzierungen der Sontheimer:
Max Romes: 16. mit 5,5 aus 9
Patric Romes: 18. mit 5,0 aus 9
Paul Romes: 34. mit 4,0 aus 9
Daniel Walter: 42. mit 3,5 aus 9
Jonathan Hartmann: 55. mit 1,0 aus 9

Link zur Turnierseite
 

Die Bährsche Regel

Hier gibt es die Analyse zum Nachspielen am Bildschirm und als PGN für den Download

So ziemlich jeder hat das im Blitzen schon mal auf dem Brett gehabt: Ein Bauernendspiel mit einem freien Mehrbauern irgendwo auf dem Brett und am Rand zwei sich gegenseitig blockierende Bauern. Normalerweise ist nun zählen angesagt: Schafft man es noch rechtzeitig, den gegnerischen König von der rettenden Ecke fern zu halten oder nicht?

Diese Rechnerei kann man sich jedoch ganz einfach sparen, wenn man die so genannte "Bährsche Regel" kennt. Sie besagt Folgendes:

In einem Endspiel mit sich blockierenden Randbauern und einem Freibauern gewinnt die stärkere Seite (bei ansonsten "normaler", nicht direkt Gewinn versprechender Königsstellung in unmittelbarer Nähe des Freibauern) immer wenn

  • ihr Randbauer die 4. Reihe überschritten hat oder
  • ihr Freibauer eine gedachte Linie noch nicht überschritten hat, die - ausgehend vom Randbauern der schwächeren Partei - zwei Felder diagonal nach hinten (also bis zur c- oder f-Linie) und dann diagonal nach vorne bis zum Brettrand gezogen wird.

Schach - Bauernendspiele: Die Bährsche RegelDas hört sich zunächst einmal völlig unverständlich an, wird aber schnell klar, wenn man sich einmal ein praktisches Beispiel dazu ansieht.
Im Diagramm links ist die "Gewinnlinie" entlang der Diagonalen a5-c7 und c7-h2. Da der weiße Bauer gerade noch auf dieser Linie steht, müsste die Stellung für Weiß gewonnen sein. Und tatsächlich:

1.Ke3 1.g4+?? remisiert nur: Kg5 2.Kg3 Kg6 3.Kf4 Kf6 4.Ke4 Kg5 5.Kd5 Kxg4 6.Kc5 Kf5 7.Kb5 Ke6 8.Kxa5 Kd7 9.Kb6 Kc8 und Schwarz kommt gerade noch rechtzeitig Kg4 2.Kd4 Kxg3 3.Kc4 Kf4 4.Kb5 Ke5 5.Kxa5 Kd6 6.Kb6 und Weiß gewinnt

Eine äußerst praktische Regel, mit der man sich eine Menge Abzählarbeit erspart. Mit ihrer Hilfe lässt sich beispielsweise in der folgenden Stellung der (einzige) weiße Gewinnzug sehr leicht finden:

Schachendspiele-Bauernendspiele: Die Bährsche RegelGemäß der Bährschen Regel steht der weiße g-Bauer zu weit vorne für einen Sieg, jedoch...

1.a5! beruft sich erfolgreich auf den ersten Teil der Regel, demzufolge ein Randbauer auf der 5. Reihe immer gewinnt. Wäre dagegen Schwarz am Zug, würde er mit 1...a5! (und nur damit) das Remis halten. Nach 1...Kf6 2.Kg3 Kg5 3.Kf3 Kg6 4.Ke4 Kg5 5.Kd5 Kxg4 6.Kc6 Kf5 7.Kb6 Ke6 8.Kxa6 Kd7 9.Kb7 kommt Weiß gerade noch rechtzeitig nach b7.

Schach Endspiele trainieren: Die Bärsche RegelStehen die Randbauern weiter unten (aus Sicht der stärkeren Partei), verschiebt sich die Bährsche Gewinnlinie entsprechend ebenfalls. Im Diagramm links würden ein weißer g- oder h-Bauer schon nicht mehr gewinnen, während ein Bauer auf e3 gerade noch den Sieg verspricht:

1.Ke2 Ke4 2.Kd2 Ke5 3.Kc3 Ke4 4.Kb3 Kxe3 5.Kxa3 Kd4 5.Kb4 mit leichtem Gewinn
 
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