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Ärger im Paradies - Bauernendspiele mit Mehrbauern

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Hier gibt es die Analyse zum Nachspielen am Bildschirm und als PGN für den Download

Es ist eine der ersten Regeln, die man im Schachkindergarten lernt: Bauernendspiele mit Mehrbauern sind immer gewonnen. Aber leider gibt es sogar von diesem praktisch unumstößlich scheinenden Postulat ein paar Ausnahmen - und gar nicht so wenige, wie man vielleicht vermuten möchte. Zum Beispiel die folgende Stellung:

Schachblog: Bauernendspiele (1)Auf den ersten Blick spricht alles für einen leichten Sieg für den Anziehenden. Man drängt den schwarzen König "irgendwie" zurück, stößt dann "irgendwie" seine Bauern vor und verwandelt dann (irgendwie) einen davon. Es stellt sich jedoch bald heraus, dass Schwarz dieses Ansinnen leicht vereiteln kann, wenn er in der Lage ist, eine einfache Additionsaufgabe zu lösen:

1...Kh6

Auch 1...Kf6 hält leicht remis, der wichtige Moment kommt erst später.

2.Kf5 Kg7 3.Kg5 Kf7!

Und das ist dieser wichtige Moment. Der einzige weiße Gewinnplan sieht vor, den König nach h6 zu spielen und dann seine Bauern nach h5 und g6 zu stellen. Schwarz muss tauschen und nach dann entsteht eine Stellung mit weißem König h6 und weißem Bauern auf g6. Damit Schwarz am Zug die Stellung remis hält, muss er nun in der Lage sein, Kh8 zu spielen, d.h. er muss auf g8 stehen. Rechnet man nun die richtige Position des schwarzen Königs weiter zurück, kann man bald folgende Regel ableiten (ich nenne sie mal die "Additionsregel"):

Um in diesem Endspiel Remis zu halten, muss Schwarz bei weißem König auf h6 nur dann auf g8 ziehen, wenn die addierten Reihenzahlen der beiden weißen Bauern eine gerade Zahl ergeben. Ergeben sie eine ungerade Zahl, muss der schwarze König nach h8 ziehen, um das Remis zu sichern.


Im konkreten Fall stehen beide weißen Bauern auf der 3. Reihe, also ist ihre addierte Reihenzahl 3+3=6=gerade, d.h. Schwarz darf erst nach g8 ziehen, wenn der weiße König auf h6 steht, man sehe:

3...Kg8?? (statt 3...Kf7!) 4.Kh6 Kh8 5.g4 Kg8 5.g5 Kh8 6.h4 Kg8 7.h5 Kh8 8.g6 und gewinnt)

4.Kh6 Kg8 5.g4 (anders kann Weiß keine Fortschritte erzielen) Kh8 6.h4 Kg8 7.g5 Kh8 8.h5 Kg8 9.g6 hxg6 10.hxg6 Kh8 11.g7+ Kg8 nebst shake hands.

Weil Schach aber ein Spiel ist, in dem es sogar noch für die Ausnahmen der Ausnahmen der Regel noch eine Ausnahme gibt, gibt es auch hier einen Sonderfall. Nämlich, wenn einer (oder beide) der weißen Bauern noch auf seinem Ausgangsfeld steht. In diesem Fall verfügt Weiß über eine Art "Tempoweiche", d.h. er kann im richtigen Moment entscheiden, ob er g2-g4 (oder h2-h4) in einem oder in zwei Zügen (g2-g3-g4 bzw. h2-h3-h4) spielt. Da ein einziges Tempo wie oben beschrieben spielentscheidend ist, gewinnt Weiß leicht:

Schachblog - Bauernendspiele (2)Weiß am Zug gewinnt, in dem er wieder seinen König nach h6 überführt. Er darf nur seinen g-Bauern vorerst nicht bewegen.

1.h4 Kf6 2.Kh5 Kg7 3.Kg5 Kg8 4.Kh6 Kh8 5.g3!

Beide Bauern auf der 3. und 4. Reihe, d.h. Additionszahl=7=ungerade. Der schwarze König müsste nun nach h8 ziehen können, um Remis zu halten, doch da steht er schon...

5...Kg8 6.g4 Kh8 7.h5 Kg8 8.g5 Kh8 9.g6 hxg6 10.hxg6 Kg8 11.g7 Kf7 12.Kh7 und gewinnt

 

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